François Abel, Charly Damm. Strasbourg. Der Schlüssel zu Europa.

Was für einen schönen Einfall der Stiftung für Straßburg und des Straßburger Verlags Editions du Signe, ein Buch veröffentlicht zu haben, das in Form eines Comic Strip, anders gesagt mit Bildern und Dialogen, die Geschichte der elsässischen Metropole erzählt. Offensichtlich richtet sich dieses farbige mit fest kartoniertem Einband versehene Buch, das sich ebenso handfest wie Sandstein aus den Vogesen sich anfassen lässt, vor allem an die Schulkinder, aber es ist nicht weniger eine Quelle von Informationen für die älteren Zeitgenossen. Die Seiten sind nicht numeriert, aber anstelle von Nummern reihen sich die großen Kapitel der Geschichte aneinander, alle Seiten sind oben mit Epochenbezeichnungen und Jahresdaten in Klammern gekennzeichnet.

Vor dem Hintergrund der netten und lebhaften Zeichnungen von François Abel - im Wesentlichen sind es malerische, zueinander redenden Figuren - bringt der Text von Charly Damm enorm viele Informationen, die, wollen wir mal wetten, Sie möglicherweise noch nicht kennen. Bereits auf der ersten Seite etwa stoßen wir auf eine Frage, die sich sonst niemand stellt: Wussten Sie woher das Wort „Rhein“ herrührt? Öffnen Sie diese Seite, Sie werden es erfahren. Es ist ganz einfach und einleuchtend. Ein bißchen Urgeschichte, etwas Altertum und viel Mittelalter füllen mehr als die Hälfte des Buches aus und machen die lange Vergangenheit dieser anfangs römischen Stadt anschaulich, die am Kreuzweg lag, wie der Name sagt. Sie erlebte blühende Zeiten und schreckliche Katastrophen, die meist mit bewaffneten Konflikten zu tun hatten.

Was mir auch auffiel, ist die Tatsache, dass nichts verschwiegen wird, die dunklen Seiten der Geschichte eingeschlossen, z. B. der Dreißigjährige Krieg, der Straßburg erfasste, aber von den Franzosen kaum bekannt ist, oder auch die Guillotine der französischen Revolution, die man gerne verdrängen möchte, ganz abgesehen vom Reichsarbeitsdienst für die Mädchen und die Zwangsrekrutierung in die Wehrmacht für die jungen Männer ab 1942. Denn die elsässische Geschichte war nicht stets rosarot. Und daraus entspringt vielleicht auch ihr Reichtum, das die Schmerzen, falls sie nicht töten, die Klugheit erweitern und das Pendeln zwischen zwei Staaten und drei Kulturen, der elsässischen zuerst, dann der deutschen und der französischen, die Anpassungsfähigkeit verstärkt. Es war in der Tat wichtig, an diese riesige Vergangenheit Straßburgs zu erinnern, die eine der ersten Freistädte Europas war, eine der ersten, die sich gewaltsam von den bösen Lehnherren und von einem schlechten Bischof befreite. Das erklärt auch, warum die Bürger von Straßburg stolz und widerspenstig sind.

Nichts fehlt und man sagt sich bei jeder Seite: „Na, so war das? Habe ich nicht gewusst. Ich hatte davon gehört, aber wusste es nicht genau“. Der Vorteil der Comics besteht darin, dass sie die Geschichte wie einen sich abspielenden Film in die Köpfe hineintragen. Denn es ist wichtig, die Ereignisse und die Epochen in deren Zusammenhang und deren Verlauf wieder einzureihen, besonders in unserer Kultur, die von Moment zu Moment, von Momentaufnahme zu Momentaufnahme rennt. Was bedeutet, dass dieses Buch unter den Kindern und Heranwachsenden Berufungen zum Historiker wecken kann. Oder auch zum Sprachwissenschaftler oder Philologen, da die deutlich identifizierbaren Personen, die diese Story bevölkern, auch Bruchstücke mit Lokalkolorit des elsässischen Dialekts in den Mund nehmen, die jeder Deutsche verstehen kann, wenn sie auch manche Straßburger heute leider vernachlässigen.

Es wird schon auf der Titelseite mit der Formel „E komischi Gschicht“ veranschaulicht. Das ist die komische Geschichte, die uns ein Liebespaar erzählt, das die Autoren hervorragend auserwählt haben: Die schöne Liesel, deren Standbild in der Straßburger Grünanlage der Orangerie, unweit des Europaparlaments steht, und der römische Handwerker Publius Modestus, dessen Grab im Jahre 2016 von Archäologen entdeckt wurde. Was manchmal in der Geschichte für Straßburg ein Unglück war, und zwar seine Mittellage zwischen zwei Ländern, die sich eingebildeten hatten Erbfeinde zu sein, ist heute zum Glück und Chance der elsässischen Regionalhauptstadt geworden, die zum Bindestrich zwischen Deutschland und Frankreich und zum Leuchtturm Europas geworden ist. (Jean-Paul Picaper - Oktober 2016).

Verlag Éditions du Signe. 1 rue Alfred Kastler, 67038 Strasbourg Cedex. 2016 oder BP 10094 Eckbolsheim. www.editionsdusigne.fr. Tel.0033 (03) 88 78 91 91. Preis:16, 90 €.

Massenmigration als Waffe

Kelly M. Greenhill. Massenmigration als Waffe. Vertreibung, Erpressung und Außenpolitik.

Kaum hatte die Autorin den Schlußpunkt zu diesem epochalen Buch gesetzt, da erhielt ihre These eine brisante Aktualität. Nicht die Herkunftsländer der Flüchtlinge, Syrien, Afghanistan, Eritrea und die vielen, verschiedenen Staaten der Subsahelzone in Afrika setzten  Europa unter Druck, sondern Etappenstaaten wie die Türkei und Libyen, soweit man im zweiten Fall noch von einem Staat reden kann. Durch einen Vertrag, der mit den EU-Partner nicht abgesprochen, oder zumindest nicht im notwendigen Ausmaße abgesprochen worden war, wurden von der deutschen Kanzlerin Zugeständnisse an Ankara gewährt, wovon der „Statthalter aller Türken“ und Möchtegernherrscher „aller Moslems“ Recep Tayyip Erdogan in den letzten Jahren nie hätte träumen können.

Unter der Bedingung, dass sie als Verwalter eines Durchzugslandes den Menschenstrom in Richtung Europa zurückhalten, erhielten Präsident Erdogan und dessen inzwischen hinausgejagter Ministerpräsident Davutoglu weitgehende Versprechungen in Sachen EU-Beitritt und noch dazu 6 Milliarden Euro. Gegenüber der Türkei „schwankt der Kurs der Kanzlerin seit Jahren zwischen Ablehnung und Anbiederung, sagte Alexander Graf Lambsdorff der Tageszeitung Die Welt am 21. Mai 2016. Als CDU-Vorsitzende lehnt Angela Merkel einen EU-Beitritt der Türkei konsequent ab. Jetzt plötzlich aber treibt sie in der Flüchtlingskrise die Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur EU voran“. Der stellvertretende Präsident des EU-Parlaments fügte zutreffend hinzu: „Die EU hat ein praktisches Interesse daran, dass die Flüchtlingszahlen dauerhaft zurückgehen. Erdogan hat ein praktisches Interesse daran, dass sein vollmundiges Versprechen einer Visafreiheit für seine Staatsbürger in der EU auch eingelöst wird“.

Inzwischen ist diese letzte Offerte an den Türken um Monate verschoben worden, aber irgendwann einmal müssen doch die detutchen Versprechen von der EU eingehalten werden, will man nicht, dass der Zustrom aus Nahost und aus sonstwoher nicht wieder in einem Ausmaße wie im Jahr 2015 anschwillt. Dabei heißt es, dass Erdogan eine Selektion zwischen den Flüchtlingen vornimmt, die er behält und denjenigen, die er wohlbehütet in Flugzeugen zu uns schickt. Man hört, dass er die Gebildeten unter ihnen für sich behält und die Analphabeten nach Europa schickt. Das ist aber nur einTeil der Wahrheit: Er behält für sich auch Arbeitssklaven, vor allem Kinder, die in seinen Produktionsstätten unter menschenunwürdigen Bedingungen und für einen kargen Lohn schuften.

Erdogan verdiente sich mit der Migrationswaffe einen Spitznamen als "der Erpresser vom Bosporus". Seine Glaubensgenossen auf der anderen Seite des Mittelmeeres, die Daesh-Kämpfer in Libyen, praktizieren eine ganz andere Auslese, und zwar massakrieren sie die Christen und Andersgläubigen unter den Flüchtlingsmassen, für die Libyen eine Zwischenstation nach Europa ist, und schicken uns über das Mittelmeer die fromme Moslems. Dass Tausende pro Jahr dieser Unglückseligen ertrinken, stört niemand an der Südküste des Mittelmeeres. Hauptsache der größere Teil landet in Italien und erhöht die Last, die Europa erdrückt. Die Bundeskanzlerin hat leider das Greenhill-Buch offensichtlich nicht gelesen. Sonst hätte sie sich selbst vielleicht nicht in diese Sackgasse hineinmanövriert. Vielleicht. Sicher ist es nicht. Denn sie wie viele Politiker tragen Augenklappen, geht es um die eigenen Fehler.

Frau Greenhill, die Autorin dieses außergewöhnlichen Buches, lehrt Staatskunde an der Universität Tufts (USA). Sie ist Forschungsstipendiatin am Belfer Center for Science and International Affairs an der berühmten Universität Harvard. Sie hat eine ganze Reihe beeindruckender Diplome gesammelt, darunter einen Bachelor of Arts mit dem Prädikat summa cum laude in Politikwissenschaften und Skandinavistik in Berkeley. Ihr Thema konnte nicht aktueller und anschaulicher werden als an der „Willkommens“-Politik von Angela Merkel. Sie hat den Fehler unserer Zeit begangen, indem sie Realpolitik durch christliche und humanistische Werte ersetzte, die fremde Mächte gegen umdrehen können, um deren Anhänger abhängig ja sogar untertan zu machen. Genau das ist Frau Merkel in Sachen Migrationspolitik passiert, wenn man es auch in ihrer Umgebung zu kaschieren versucht.

Immerhin ist es der CSU aufgefallen. Aber was können die Bayern in einer grossen Koalition? Wie Frau Greenhill es schreibt, ist die Migrationsgefahr die höchste unserer Zeit. Zehntausende strömen heute in die Europäische Union und nach Deutschland ein, schreibt sie, aber diese Zahlen sind vergleichsweise gering angesichts der Größenordnung wetweiter Flüchtlingszahlen – erschreckende 60,5 Millionen sind es laut den im Juli 2015 veröffentlichten Zahlen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen. Zwei Drittel von ihnen sind innerhalb ihres Landes unterwegs aber ein Drittel flieht grenzüberschreitend.

Dabei könnte es noch viel schlimmer werden als in diesem Buch dargestellt, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung Afrikas nach heutigen Prognosen in den 2050er Jahren zwischen 2 bis 3 Milliarden Menschen liegen wird, um 4,2 Milliard 2100 zu erreichen. Was passiert, wenn der Klimaumschwung die Bevölkerung breiter Gebiete in Afrika mit Hungersnot, Wassermangel und den dadurch geförderten Gesundheitsschäden plagt?

Es könnte geschehen, dass Europa an Armut stirbt, weil sie sie nicht ernähren und pflegen kann oder wie damals die Indianer Amerikas von von den Migranten importierten Seuchen dezimiert wird. Ganz abgesehen vom Kulturwandel durch die Verbreitung der islamistischen Religion, da die grosse Mehrheit des Migranten Moslems ist. Darüber wird geschwiegen. Experten denken nach. Aber Lösungen sind nicht in Sicht. Kelly Greenhill hat diese Problematik nun anders angepackt und zeigt uns, wie Erpresser jeder Couleur sich dieses neuen Phänomens bedienen können, um uns in die Knie zu zwingen. Offensichtlich haben unsere Politiker das Problem nicht so gesehen. Sonst wäre der Erpressungsvertrag mit der Türei nie unterzeichnet worden.

Dei Autorin traut sich den Begriff „Waffe“ zu verwenden, wobei hier Menschenmassen, darunter viele Frauen und Kinder, als Waffen, wohlgemerkt nicht im Sinne des bekannten „Kanonenfutters“ sondern als unfreiwillige Vernichtungswaffen eingesetzt werden. „Weapons of Mass Migration“, schrieb die Autorin in Ihrer Muttersprache. Ein christlicher Priester aus dem Libanon sagte es uns einmal noch deutlicher: „Die Menschheit hat zwei Massenvernichtungswaffen erfunden: Die Atombombe und den Islam“, wobei der Islam unter Umständen ein Epiphänomen ist. Die Masse tut es. Mit oder ohne diese Religion.

Auf den 429 Seiten dieses Buches wird historisch und geographisch das Phänomen Migration der überzähligen und entwurzelten Völker politisch, ökonomisch und kulturell unter die Lupe genommen, wobei man erfährt, das dadurch Staaten vernichtet wurden und andere wie entstanden. Nicht nur in Europa, denn andere Kontinente in Amerika, Asien, Australien, werden in die Untersuchung einbezogen. Die Autorin geht ins Detail, Bootsflüchtlinge, Erstürmung von Botschaften, Anschläge, usw. werden Fall nach Fall mit Namen, Zahlen und Landkarten untersucht, wobei es sich wohlgemerkt um eine unpolemische, sachliche und wertfreie wissenschaftliche Arbeit handelt, die man keineswegs von der Hand weisen kann und die einen Markstein in der Geschichte der praktischen Politikwissenschaft setzt. Dieses Buch muss von allen an unserem Überleben interessierten Menschen gelesen werden und es gehört in die Bibliotheken der Politik-, Soziologie- und Demographeiinstitute, sowie der Bundewehrakademien. (Jean-Paul Picaper - Juni 2016)

Kopp Verlag, Bertha-Benz-Str. 10, 72108 Rottenburg, im Januar 2016 erschienen.

Die Reformation und das Augsburger Bekenntnis von 1530

Menno Aden. Die Reformation und das Augsburger Bekenntnis von 1530 für heute kommentiert.

Fünfhundert Jahre nach der Reformation ist der Glaubensstand der evangelischen Kirche unsicher geworden. Es besteht Veranlassung zu überprüfen, was vom Erbe Luthers und der Reformatoren noch lebendig ist. Das geschieht hier in drei Schritten.
Im Ersten Teil wird die Geschichte der Reformation, ihrer Gründe und ihres weiteren Verlaufes behandelt.

Der Zweite Teil, der Kern dieses Buches, ist ein Kommentar zum Augsburger Bekenntnis von 1530 (Confessio Augustana, CA). Die CA ist auch heute noch die wichtigste Bekenntnisgrundlage der deutschen und weltweiten Kirchen lutherischer Prägung.1 Die Barmer Erklärung von 1934 bezieht sich darauf. Der Lutherische Weltbund sieht .. in der unveränderten Augsburgischen Konfession ... eine zutreffende Auslegung des Wortes Gottes.2 Die Grundordnungen der deutschen evangelischen Landeskirchen beziehen sich auf sie, und die lutherischen Pastoren werden darauf verpflichtet. Hier wird aber kein theologischer, sondern ein gleichsam empirischer Kommentar vorgelegt, im Internet veröffentlichte evangelische Predigten und offizielle kirchliche Verlautbarungen werden mit Aussagen der CA abgeglichen. Als Ergebnis wird sich zeigen: Das Augsburger Bekenntnis spielt in der Verkündigung praktisch keine Rolle mehr. Das gilt aber auch für wichtige, von den Reformatoren darin vorausgesetzte Lehrinhalte.

Im Dritten Teil wird dieses Ergebnis erörtert. Fast einhellig ist der Ruf nach Erneuerung der von Luther erneuerten Kirche.3 Dafür wird auch hier geworben. Ideologischer und dogmatischer Ballast sollte schleunigst abgeworfen werden. Die Kirche darf sich durch Dogmen und Bekenntnisschriften, Eigentliche verstellen lassen. Das Augsburger Bekenntnis ist grundlegend neu zu fassen, um das evangelische Profil wieder hervortreten zu lassen. Dazu müssen allerdings wesentliche, bisher für unverzichtbar gehaltene Aussagen des Neuen Testaments in Frage gestellt werden. Dieses Buch ist insofern eine Fortsetzung des Kommentarwerkes Apostolisches Glaubensbekenntnis des Verfassers in diesem Verlag, als auf die dortigen Überlegungen immer wieder verwiesen wird. Herrn Pastor a. D. Prof. Dr. K.-H. Kuhlmann-Bohmte, danke ich für die Durchsicht des Manuskripts und seinen freundschaftlichen Rat. (ates67.fr - Mai 2016)

Verlag Traugott Bautz GmbH - 245 Seiten - 40,-€.